| on 08-11-2006 07:22
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Man muss nicht von Archäologen ausgegraben werden, um im Museum zu landen. Norwegens Vorzeigekapelle Kaizers Orchestra schreiben seit Jahren als international erfolgreichste norwegischsprachige Band Musikgeschichte und sind so gewissermaßen als musikalische Botschafter unterwegs. Als die Band sich 2003 von Norwegen aus aufmachte, den Kontinent zu unterwerfen, ging ein Raunen durch die Reihen - wie konnte Musik so wild und doch so eingängig sein? So durchdacht und doch so roh? Und darf man eigentlich südlich des Polarkreises auf norwegisch singen? Drei Alben und ungezählte Konzerte später ist ihr Name in aller Munde. Mit Anzug und Krawatte stehen Kaizers Orchestra an über 100 Abenden im Jahr auf den Bühnen Europas und bearbeiten neben den gängigen Instrumenten (Schlagzeug, Gitarren, (Kontra-) Bass) eine Pumporgel, ein Akkordeon, eine Aschentonne, zwei Autofelgen und ein paar Ölfässer mit einer Virtuosität, dass so manchem Berufsmusiker ganz anders wird. Genie und Wahnsinn liegen doch erschreckend nah beieinander. Dass ihre krude Mischung aus Polka und Rock 'n' Roll auch auf CD funktioniert, bewiesen schon die Abverkäufe in Skandinavien. Aber als Kaizers Orchestra schließlich im Sommer 2005 ihr drittes Album "Maestro" bei Universal Music Germany veröffentlichten, hätte wohl niemand seine Großmutter darauf verwettet, dass das gut geht. Und doch. Es liegt in der Natur der Sache, dass Kaizers Orchestra mit jedem Ticket und jeder CD auch ein Stück ihres Landes verkaufen. Und es ist an der Zeit, ihr Wirken und Werkeln in offiziellem Rahmen zu würdigen.
Am 11. November eröffnet im Museum für Kommunikation Berlin die Ausstellung mit dem viel versprechenden Titel "Nicht nur Lachs und Würstchen - Hundert Jahre deutsch-norwegische Begegnungen". Sie wurde vom Norwegischen Technischen Museum Oslo im Auftrag der Außenministerien der beiden Länder als Wanderausstellung konzipiert und bislang in Oslo, Bergen und Trondheim gezeigt; mit Exponaten aus Alltagskultur, Geschichte, Wissenschaft und Kunst.
Mit ihrer Zweckentfremdung eines norwegischen Statussymbols, dem Ölfass, brechen Kaizers Orchestra alte Bilder auf und schlagen gleichsam die Brücke zur florierenden Musikszene des Landes. Eines dieser Fässer wird nun eine weitere Stufe auf seiner Karriereleiter erklimmen: Nachdem es zwei Konzerte erlebt und überlebt hat, wird es nun seinen geschundenen Körper der breiten Öffentlichkeit zeigen - als "Exponat" in einer Ausstellung. Als offizielles Siegel trägt es die Unterschriften der kompletten Band. Hingehen und bestaunen! 11.11.2006 - 28.01.2007 Museum für Kommunikation Berlin Leipziger Straße 16 10117 Berlin |
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