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Issue 23 Editorial: German PDF Print E-mail
on 04-11-2007 10:29

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ImageFurcht liegt im Auge des Betrachters (besonders wenn man mit einem Schlachtermesser auf ihn zu läuft)


Als ich 5 Jahre alt war, tapezierten meine Eltern mein Zimmer mit einer "echt niedlichen" Tapete, auf der Comic-Tiere mit Glubschaugen aus den Blättern eines dichten Dschungels hervor starrten. Erwachsene fanden die Tapete total super und liesen sich zu Kommentaren wie "Oh, wie süss!" und "Wo habt ihr denn die gefunden?" hinreissen.

Ich hingegen betete darum, dass meine Mutter ihren Mund halten und ihnen nicht verraten würde, wo sie die glotzäugige Tapete gefunden hatte, in der Hoffnung, dass ich andere Kinder davor bewahren könnte, genauso wie ich dem Schrecken der Tiere mit den hervortretenen Augen ausgesetzt zu werden, die mich die ganze Nacht über wachhielten. Ich konnte nicht verstehen, was die Erwachsenen an der zudringlichen Tapete fanden - konnten die nicht sehen, dass sie einfach nur angsteinflössend war?

Später dann, als ich neun Jahre alt war, wurde ich genau dasselbe gefragt, als mich ein Erwachsener vor einem Todessturz von einer Steilküste rettete, nur hiess es dann dann: "Konntest du nicht sehen, wie hoch das war und das das einfach nur dumm war, dort hochzuklettern?".

 

Nein, konnte ich nicht. Ich denke es lag wohl an der Perspektive. So ist das mit allen angsteinflössenden Sachen, es liegt am Auge des Betrachters (was zum Teufel ging eigentlich im Kopf des ersten Bungee-Brückenspringers vor? Und wie konnte das in irgendeiner Art und Weise als nachahmenswert empfunden werden?).

Der Furcht-Faktor ist ein starker Sog, der unterschwellige Trieb, die Droge, die durch deine Adern fliesst nachdem du die Herausforderung etwas zu überstehen, zu konfrontieren oder zu erdulden angenommen hast - je mehr auf dem Spiel steht desto besser. Ich erinnere bloss an die klassischen Mutproben, wie das Spukhaus zu betreten, seine Klamotten auf Parties auszuziehen (hä?, ach so ihr seid ja Mädchen - der Übersetzer), im Supermarkt zu klauen oder Sex in der Öffentlichkeit zu haben (also echt, ihr habt Ängste...-der Übersetzer), etc. Es ist keine ordentliche Mutprobe, wenn es nicht um Angst geht. Je echter die Situation, je glaubwürdiger, desto furchteinflössender ist sie. Körperkraft, Klugheit oder Würde hatten nichts damit zu tun! (genau wie die Gründung der Organisation, die das hier verzapft hat).

Blutbad-Filme wie Blood Feast haben einen völlig anderen Effekt auf den Puls als z.B. The Texas Chainsaw Massacre. Die chemischen Angstreaktionen, die durch den Genuss von Filmen, die möglicherweise wirklich passieren könnten, hervorgerufen werden, wie z.B.von  Hostel (wie? ihr habt euch noch nicht durch eure Triebe in blöde Situationen locken lassen?) oder durch fiktionalisierte Aufarbeitungen von Tatsachen wie z.B.: Hernry - Potrait Of A Serial Killer, sind der Stoff aus dem Albträume sind (und bleiben...hoffen wir).

Eure ergebene Autorin ist zumindestens der Meinung, dass Leute, die eingelegte Babies sammeln und sich mit (kunst-)blutgetränkten Klamotten kleiden angenehmere Tischnachbarn abgeben als sagen wir mal Leute, die Fallstudien von Völkermorden und detaillierte Biographien von sadistischen Soziopathen sammeln. Beide Typen sind sicher intereressant aber ich würde mit dem letzteren a) nicht alleine sein wollen.b) ihm nicht meine Telefonnummer geben wollen oder c) herrausfinden wollen, was unter seiner feuchtkalten Oberfläche steckt.

Als Gesellschaft stehen wir auf wir beides - wir wollen den Horror und wir wollen abgestossen werden. Wir lesen Horror-Geschichten, wir schauen uns erschreckend/gruselige Dokumentarfilme an, wir zappen in Fear Factor, wir hoffen, dass jemand bei Cops ins Gras beisst und wir gucken CSI: Miami nur um zu sehen, wie krank man sein oder werden kann (?? von der Serie?? der Übersetzer).

Ihr wollt krank? Ihr wollten echten Horror? Lest die Nachrichten (wenn ihr welche findet, die nicht zensiert werden, aber werdet ihr nicht...) und ihr bekommt weisse Haare.

Blood Feast (H.G. Lewis, 1963)

Texas Chainsaw Massacre (Tobe Cooper, 1974)

Henry: Portrait of a Serial Killer (John MacNaughton, 1986)

Hostel (Eli Roth, 2003) 


   

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